Vom Medizinstudenten in die Niederlassung

Geposted am: 13. Oktober 2020

Im Sommer 2020 hat er es geschafft: Moritz Nasemann, der als Doc Mo auf Instagram, YouTube und TikTok Medizin einfach und auf den Punkt gebracht erklärt, ist approbierter Arzt. Aktuell befindet er sich in seiner Facharztausbildung in der Augenheilkunde in München. Im Interview gibt er uns Einblicke in seinen Weg vom Studenten zum Arzt.

 

MedServation: Wie macht es sich als frischgebackener Arzt?

Moritz Nasemann: Tatsächlich dauert es einige Zeit bis man realisiert, dass man nun wirklich Arzt ist. Nach dem langen (nicht immer einfachen) Medizinstudium jetzt im Berufsleben zu stehen, die Theorie sozusagen in die Praxis umzusetzen, als Arzt tätig zu sein und auch als solcher angesprochen zu werden, fühlt sich sehr gut an.

 

MedServation: Warum hast du dich für die Augenheilkunde entschieden?

Moritz Nasemann: In meinem Studium habe ich durch Praktika verschiedene Bereiche kennengelernt – von der Pädiatrie über die Radiologie und Innere Medizin bis hin zur Chirurgie. Diese Erfahrungen haben mir dabei geholfen, mich für eine Fachrichtung zu entscheiden. Meine Entscheidung fiel dabei auf die Augenheilkunde, da es ein chirurgisches Fach ist, welches in der Klinik aber auch in einer niedergelassenen Praxis zum Einsatz kommt. Außerdem bin ich auch gerne mikrochirurgisch tätig und führe gerne filigrane Eingriffe durch. Die OP-Zeiten sind dabei mit zehn Minuten bis drei Stunden sehr gering und können auch ambulant durchgeführt werden, sodass der direkte Kontakt zu Patientinnen und Patienten nicht zu kurz kommt.

 

MedServation: Also sind es vor allem die Rahmenbedingungen, die das Fachgebiet für dich so spannend machen?

Moritz Nasemann: Die Augenheilkunde ist auch deshalb so spannend, weil das Auge das wichtigste Sinnesorgan des Menschen ist. Die Verantwortung gegenüber den Patienten ist entsprechend groß. Außerdem kann man in der Augenheilkunde bereits mit kleinen Eingriffen, sei es eine OP oder eine Spritze, wahnsinnig tolle Therapieerfolge erzielen. Die Dankbarkeit der Patienten, und ich bin mir sicher ich spreche für viele meiner Kolleginnen und Kollegen, ist für mich als Arzt unbezahlbar.

 

MedServation: Vom Studium ins Berufsleben – für viele ist dies eine Herausforderung. Wie war die Umstellung für dich?

Moritz Nasemann: Natürlich ist es eine Umstellung, wenn man direkt mitten im Berufsleben steht – das geht wahrscheinlich nicht nur jungen Ärzten so. Die Verantwortung gegenüber Patienten ist groß – das eigene Handeln muss genau reflektiert und dokumentiert werden. Es gilt, alles richtig zu machen und bei Unsicherheiten nachzufragen. Schüchternheit ist definitiv fehl am Platz. Man muss sich also zu jeder Zeit in seinem eigenen Handeln sicher sein, um Fehler zu vermeiden, die dem Patienten im schlimmsten Fall schaden können.

Mit der Zeit in der Uni ist das natürlich nicht zu vergleichen. Hat man mal was in der Vorlesung nicht mitbekommen, kann man den Stoff wiederholen. Beim Patienten bekommt man keine zweite Chance. Die Theorie in die Praxis umzusetzen macht jedoch viel Spaß.

 

MedServation: Hast du etwas im Studium vermisst, was dich auf deine Tätigkeit als Arzt vorbereitet hätte?

Moritz Nasemann: Ja, das war ganz klar der wirtschaftliche Aspekt der ärztlichen Tätigkeit. Leider wird dieser im Studium komplett vernachlässigt, obwohl es meiner Meinung nach wichtig ist. Als Ärztin oder Arzt sollte man beispielsweise die Strukturen einer Klinik verstehen, um Entscheidungen bezüglich Untersuchungen auch aus wirtschaftlicher Sicht verstehen zu können. Nur so kann man den Patienten im bestehenden System am besten helfen.

Ich denke, es ist deswegen auch schwieriger für junge Ärzte sich in einer eigenen Praxis niederzulassen. Ihnen fehlt das Wissen, was die Angst größer werden lässt, dass die Praxisgründung schief geht. Offene Fragen wie zum Beispiel “Woher bekommt man finanzielle Mittel für den Aufbau einer eigenen Praxis?”, “Wie stelle ich Personal ein?” und “Wie erstelle ich Verträge für die Mitarbeiter?” sind eine große Hürde.

Was ich aber positiv hervorheben muss, ist dass das Studium deutlich praxisorientierter ist als früher. Als Medizinstudent ist man heute viel mehr am Patienten. Auch psychologische Aspekte wie psychische Erkrankungen haben einen höheren Stellenwert und werden relevanter.

 

MedServation: Auf Instagram & Co. teilst du dein Wissen mit deinen Followern. Welches Potenzial siehst du für Ärzte darin, über Social Media aufzuklären?

Moritz Nasemann Ich habe vor über sechs Jahren mit YouTube und Instagram angefangen. Schon damals habe ich die Kanäle als gute Möglichkeit gesehen, um medizinisch aufzuklären und Wissen zu teilen – egal ob per Video, Bild oder als Overlay mit Text. Social Media bietet Medizinern und Ärzten, aber auch medizinischem Fachpersonal, Patienten und Laien die Möglichkeit sich untereinander zu finden, von ihren Erfahrungen zu berichten und sich untereinander auszutauschen. Mithilfe von Hashtags oder Schlagwörtern findet man in kurzer Zeit komprimiert und schön dargestellte, gute Informationen. Ich gebe zu, dass ist leider nicht immer der Fall. Qualitativ hochwertiger Social-Media-Content sollte für jeden Mediziner oder Arzt der Anspruch sein.

 
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